Es gibt Regionen, die man einmal besucht und danach nicht mehr vergisst. Die Gegend rund um Schladming und das Dachsteinmassiv gehört eindeutig dazu. Wer hier wandert, bekommt ein Panorama, das von sanften Almwiesen bis zu schroffen Gipfeln über 2.900 Meter reicht. Dazu kommen gut ausgebaute Wege, eine dichte Hüttendichte und eine Infrastruktur, die Wanderern auf allen Leistungsstufen entgegenkommt. Der folgende Beitrag zeigt, was die Region wirklich ausmacht und wie man das Beste aus einem Aufenthalt herausholt.
Eine Landschaft mit klaren Kontrasten
Schladming liegt auf knapp 750 Metern im Ennstal und ist damit ein idealer Ausgangspunkt für Touren in sehr unterschiedliche Höhenlagen. Das Dachsteinplateau im Norden steigt auf über 2.900 Meter an und bietet vergletscherte Hochflächen, Karstlandschaften und im Sommer begehbare Routen durch eine fast mondähnliche Umgebung. Im Süden davon liegt das Ramsauer Hochplateau auf etwa 1.000 bis 1.200 Metern, geprägt von Bauernhöfen, Weiden und einem weitläufigen Wegenetz, das auch für Familien mit Kindern geeignet ist.
Diese Bandbreite ist kein Zufall. Die Region hat in den letzten zwei Jahrzehnten systematisch in Wanderwege, Beschilderung und Begleitangebote investiert. Mehr als 1.000 Kilometer markierte Wege stehen zur Verfügung, davon rund 350 Kilometer im Kernbereich Schladming-Ramsau-Dachstein. Das Wegesystem ist mit Zeitangaben und Schwierigkeitsgraden versehen, was die Planung erheblich erleichtert.
Die bekanntesten Routen und was sie bieten
Der Weg zur Simonyhütte auf dem Dachstein auf 2.206 Metern gilt als klassische Tagestour. Vom Hallstätter Gletscher geht es etwa drei Stunden durch hochalpines Gelände. Die Hütte selbst steht seit 1877 und ist damit eine der ältesten des Österreichischen Alpenvereins. Der Blick auf den Hallstätter See von dort oben rechtfertigt jeden Schweißtropfen.
Wer es etwas gemächlicher mag, findet im Natur- und Geopark Steirische Eisenwurzen, der die Region im Nordosten berührt, ruhige Waldpfade und naturkundlich interessante Routen. Für ambitionierte Berggeher ist der Übergang vom Hochwurzen über den Stoderzinken ein lohnender Tagesmarsch mit rund 1.100 Höhenmetern und etwa sechs Stunden Gehzeit.
Familienwandern auf dem Ramsauer Hochplateau
Familien mit Kindern bis etwa zehn Jahren sind auf dem Hochplateau Ramsau besonders gut aufgehoben. Der Rundweg um den Stausee Erlaufsee lässt sich in rund 90 Minuten ohne nennenswerte Steigungen ablaufen. Entlang des Weges gibt es mehrere Rastplätze mit Blick auf den See und die umliegenden Hänge. Der Wassererlebnisweg in Ramsau am Dachstein mit seinen acht Stationen vermittelt Kindern spielerisch, wie Wasser die alpine Landschaft prägt.
Übernachten zwischen Bergwiese und Dorfkern
Wer mehrere Tage in der Region verbringt, hat die Wahl zwischen Berghütten mit Übernachtungsmöglichkeit und Unterkünften im Tal. Viele Wanderer schätzen Landhäuser und kleinere Pensionen im Bereich Ramsau und Schladming, weil sie kurze Anfahrten in die Wandergebiete bieten und gleichzeitig den Komfort des Tals. Wer beim Wandern auf eine gut gelegene Unterkunft setzt, spart täglich Zeit und Energie, die man besser auf dem Weg verbringt. Ein früher Start vor acht Uhr morgens, bevor die Seilbahnen den ersten Besucheransturm bringen, lohnt sich fast immer.
Auf der Hüttenseite ist die Neustattalm auf dem Hauser Kaibling mit ihren deftigen steirischen Gerichten ein verlässlicher Anlaufpunkt. Die Schladminger Hütte auf 1.687 Metern ist über den Planai-Gipfel in rund zwei Stunden erreichbar und bietet im Sommer warme Küche bis 15 Uhr.
Kulinarik auf dem Weg: Was die Region auf den Tisch bringt
Almwirtschaft hat in der Steiermark eine lange Tradition, und das spiegelt sich in den Speisekarten der Hütten wider. Brettljause mit Hauswurst, Schmalzbrot, Bauernkäse und Kren ist auf fast jeder Alm zu finden und kostet zwischen 10 und 14 Euro. Wer Glück hat, bekommt dazu frische Buttermilch aus der eigenen Sennerei. Die Knödelvariationen, besonders der Speckknödel in Suppe, sind in der Region allgegenwärtig und machen nach langen Abstiegen tatsächlich satt.
Für Weintrinker sei erwähnt, dass die Steiermark als Weinregion zwar primär im Süden des Landes bekannt ist, aber auch in Schladming einzelne Gasthäuser steirische Weine führen, darunter Sauvignon Blanc und Welschriesling aus der Südsteiermark. Eine gute Ergänzung zum Abendessen nach einer langen Wandertour.
Praktische Hinweise für die Planung
Die beste Wandersaison liegt zwischen Mitte Juni und Ende September. Schneereste auf dem Dachsteinplateau können noch bis Juli auftreten, entsprechendes Schuhwerk ist Pflicht. Für hochalpine Touren empfiehlt sich festes Bergschuhwerk mit Knöchelstabilisierung, Stöcke und eine Regenschicht, auch bei gutem Wetterstart am Morgen.
- Anreise: Schladming liegt direkt an der Westbahnstrecke Wien-Salzburg, der Bahnhof ist fußläufig vom Ortszentrum entfernt.
- Wanderkarten: Die AV-Karte Nr. 14 (Dachstein, 1:25.000) gilt als Standardreferenz für den Hochbereich.
- Seilbahnen: Planai und Hochwurzen sind von Mai bis Oktober in Betrieb und bringen Wanderer auf rund 1.900 Meter, was erheblich Zeit spart.
- Notfallnummern: Bergrettung Österreich über 140, allgemeiner Notruf 112.
Wer frühzeitig plant, sollte beachten, dass Hüttenübernachtungen auf der Dachsteinsüdwand und der Simonyhütte in der Hochsaison bereits Wochen im Voraus ausgebucht sein können. Eine Reservierung per Telefon oder über das Hüttenbuchungssystem des Alpenvereins ist dringend empfohlen.
Was diese Region von anderen unterscheidet
Viele alpine Gebiete in Österreich bieten hohe Gipfel und gut beschilderte Wege. Was Schladming-Dachstein darüber hinaus auszeichnet, ist die Kombination aus erreichbarer Hochalpinität, einer lebendigen Almkultur und einem Ortskern, der trotz touristischer Ausrichtung seinen steirischen Charakter behalten hat. Die Marktgemeinde Schladming mit ihren rund 4.400 Einwohnern wirkt nicht wie eine reine Tourismusschachtel, sondern wie ein Ort, an dem Menschen tatsächlich leben. Das merkt man in den Metzgereien, auf dem Wochenmarkt und in den einfacheren Gasthäusern abseits der Hauptstraße.
Für alle, die eine Region suchen, die nach dem ersten Besuch zur Wiederholung einlädt, ist Schladming-Dachstein eine nahezu sichere Wahl. Die Wege sind da, die Küche stimmt, und die Landschaft liefert das, wofür man ins Gebirge fährt.

