Handy mieten auf Reisen: Wann es sich wirklich lohnt

Wer kennt das nicht: Man landet in Tokio, dreht das Handy auf und merkt, dass die Roaming-Gebühren bereits nach zwei Google-Maps-Anfragen ein Loch in die Reisekasse reißen. Das eigene Smartphone ist vertraut, hat alle Kontakte gespeichert und fühlt sich wie eine Verlängerung der eigenen Hand an. Trotzdem lohnt es sich, vor jeder längeren Reise eine schlichte Frage zu stellen: Ist dieses Gerät wirklich das Richtige für den Trip?

Das Roaming-Problem ist nicht gelöst, nur verschoben

Innerhalb der Europäischen Union gilt seit 2017 die Roaming-Verordnung, die Zusatzkosten für Telefonate, SMS und Datennutzung in anderen EU-Staaten weitgehend abgeschafft hat. Wer also von München nach Barcelona fliegt, zahlt dasselbe wie zuhause. Doch sobald das Reiseziel außerhalb der EU liegt, ändert sich das Bild grundlegend. In Ländern wie Japan, den USA, Australien oder Thailand können Datenpakete schnell zwei bis drei Euro pro Megabyte kosten, wenn kein passendes Auslandstarif-Paket gebucht wurde. Ein einziges versehentlich geladenes Foto kostet dann mehr als ein Mittagessen vor Ort.

Viele Reisende unterschätzen außerdem die technischen Hürden: Nicht jedes europäische Smartphone unterstützt alle Frequenzbänder, die in Nordamerika oder Asien genutzt werden. Wer ein älteres Gerät besitzt, riskiert schlechten Empfang oder gar keine Netzverbindung, selbst wenn eine lokale SIM-Karte steckt. Die Wikipedia-Übersicht zu Mobilfunkstandards zeigt, wie unterschiedlich die technischen Voraussetzungen weltweit sind und warum ein Gerät, das in Deutschland tadellos funktioniert, im Ausland nur eingeschränkt nutzbar sein kann.

Wann das eigene Gerät tatsächlich ausreicht

Für Kurztrips bis zu einer Woche innerhalb Europas ist das eigene Smartphone in den meisten Fällen die unkomplizierte Lösung. Dasselbe gilt, wenn der Netzbetreiber einen transparenten Auslandstarif mit festem Tagespaket anbietet und die Kosten überschaubar bleiben. Wer sein Gerät kennt, weiß, wo Fotos gespeichert werden, wie der Offline-Modus funktioniert und wie man die automatische Synchronisation abschaltet, um ungewollten Datenverbrauch zu vermeiden.

Problematisch wird es bei Langzeitreisen ab vier Wochen, bei Dienstreisen in sensiblen Regionen oder wenn das mitgebrachte Gerät schlicht zu wertvoll ist, um es einem Diebstahlsrisiko auszusetzen. Ein aktuelles Flagship-Modell kostet schnell 1.200 Euro oder mehr. Geht es in einer Metropole wie Bangkok oder Rio de Janeiro verloren, ist der finanzielle Schaden erheblich, ganz abgesehen von den darauf gespeicherten persönlichen Daten.

Mieten als pragmatische Alternative

Die Idee, ein Gerät nur für die Reisedauer zu leihen, hat sich in den vergangenen Jahren von einer Nischenlösung zu einem ernstzunehmenden Marktangebot entwickelt. Wer ein Handy mieten möchte, findet inzwischen Anbieter, die aktuelle Mittelklasse- und Oberklasse-Geräte tageweise oder wochenweise verleihen, inklusive passendem Netzteil für das Zielland und oft mit einer lokalen SIM-Karte oder eSIM-Option.

Das rechnet sich vor allem dann, wenn eine Reise drei Wochen oder länger dauert und das eigene Gerät entweder technisch nicht kompatibel ist oder zu Hause bleiben soll. Typische Mietpreise für ein ordentliches Android-Gerät liegen zwischen fünf und fünfzehn Euro pro Tag, abhängig vom Modell und der Mietdauer. Bei einer vierwöchigen Reise nach Japan können so Kosten zwischen 60 und 120 Euro entstehen, was für viele immer noch günstiger ist als ein neues Gerät zu kaufen oder exorbitante Roaming-Rechnungen zu riskieren.

Sicherheit und Datenschutz als unterschätzter Faktor

Ein gemietetes Gerät bietet einen klaren Sicherheitsvorteil: Man richtet darauf nur das ein, was für die Reise notwendig ist. Keine privaten Fotos, keine Banking-Apps, keine beruflichen E-Mails. Wird es gestohlen oder geht es verloren, bleibt der persönliche Schaden begrenzt. Wer das eigene Flaggschiff mitnimmt, trägt hingegen sämtliche sensiblen Daten mit sich.

Datenschutzrechtlich ist das nicht trivial. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik empfiehlt generell, auf Reisen möglichst wenige sensible Daten auf mobilen Geräten zu speichern und öffentliche WLAN-Netze nur mit VPN-Verbindung zu nutzen. Ein Reisegerät, das ohnehin nur temporär genutzt wird, macht die Umsetzung dieser Empfehlung erheblich einfacher.

Typische Situationen, in denen Mieten sinnvoller ist

  • Reisen außerhalb der EU mit unklaren oder teuren Roaming-Konditionen
  • Länder mit abweichenden Frequenzbändern (z. B. USA, Japan, Australien)
  • Langzeitreisen ab drei Wochen, bei denen ein eigenes Gerät zu wertvoll zum Mitnehmen ist
  • Geschäftsreisen, bei denen eine strikte Trennung von privaten und beruflichen Daten gewünscht ist
  • Regionen mit erhöhtem Diebstahlrisiko
  • Reisende, deren eigenes Gerät veraltet ist und nicht alle notwendigen Netze unterstützt

Praktische Checkliste vor der Entscheidung

Bevor man sich festlegt, lohnen sich ein paar konkrete Überlegungen. Zunächst: Welche Länder stehen auf dem Reiseplan, und gelten dort die EU-Roaming-Regelungen? Dann: Unterstützt das eigene Gerät die vor Ort genutzten Mobilfunkfrequenzen? Ein kurzer Blick ins Handbuch oder die Herstellerseite gibt Aufschluss. Außerdem sollte man prüfen, ob der aktuelle Mobilfunkvertrag einen Auslandstarif enthält und was dieser konkret kostet, also nicht nur den Tagessatz, sondern auch die enthaltene Datenmenge.

Wer nach dieser Prüfung feststellt, dass das eigene Gerät gut geeignet ist und die Zusatzkosten überschaubar bleiben, fährt mit dem vertrauten Smartphone in der Regel besser. Alle anderen sollten Mietoptionen zumindest kalkulieren, bevor sie sich aus alter Gewohnheit für das Eigene entscheiden.

Fazit: Keine pauschale Antwort, aber klare Kriterien

Die Entscheidung zwischen eigenem Gerät und gemietetem Smartphone hängt von konkreten Faktoren ab, nicht von persönlichen Vorlieben. Reiseziel, Dauer, Wert des eigenen Geräts und die eigene Risikobereitschaft sind die entscheidenden Variablen. Wer diese nüchtern bewertet, spart im besten Fall Geld und Nerven. Und wer schon einmal mit einer dreistelligen Roaming-Rechnung nach Hause gekommen ist, weiß: Der kurze Moment des Überlegens vor der Abreise zahlt sich fast immer aus.

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Ueber den Autor

Sabine Krüger

Sabine Krüger ist Reisejournalistin und Kulturredakteurin mit Leidenschaft für die versteckten Schätze Deutschlands. Sie hat alle 16 Bundesländer bereist und schreibt über Sehenswürdigkeiten, regionale Besonderheiten, Traditionen und Reiseziele abseits der ausgetretenen Pfade.

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