Aktivstall-Konzepte verändern die Pferdehaltung im DACH-Raum seit über zehn Jahren. Die Grundidee: statt klassischer Boxen Bewegung anregende Mehrraum-Laufställe mit getrennten Funktionsbereichen für Fressen, Liegen und Sozialleben. Ein Mittelfränkischer Reitstall hat 2025 eine Aktivstallhalle nach diesem Konzept errichtet — mit 25 Pferden, drei Funktionsbereichen und einer Membranhalle als zentrales Bauelement. Diese Case-Study fasst die wichtigsten Eckdaten zusammen und zeigt, was bei einem solchen Projekt 2026 wirtschaftlich und tierschutzfachlich zu beachten ist.
- Mittelfränkischer Pensionsreitstall mit 25 Pferden, Investition 2025 in Aktivstallhalle nach HIT-Konzept (Bewegung anregender Mehrraum-Laufstall).
- Drei Funktionsbereiche: Fressbereich mit elektronischer Fütterungstechnik, Liegebereich, Bewegungs- und Auslaufbereich, verbunden durch Rundweg.
- Hallengröße 24 mal 36 Meter, rund 870 Quadratmeter Nutzfläche, davon 380 Quadratmeter überdachter Liegebereich.
- Investitionsvolumen rund 38 Prozent unter Vergleichsofferte für klassische Boxen-Anlage gleicher Pferdezahl, Bauzeit ab Genehmigung 13 Wochen.
- Erste Praxiserfahrungen über sechs Monate Betrieb zeigen reduzierte Pferd-Pferd-Konflikte und besseren Liegekomfort der rangniedrigen Tiere.
Ausgangslage: Vom Boxen-Stall zur Aktivstall-Idee
Der Pensionsreitstall bewirtschaftet rund 18 Hektar Reit- und Weidefläche im mittelfränkischen Hügelland. Der Vorgängerbau aus den 1990er-Jahren war ein klassischer Boxen-Stall mit 18 Einzelboxen plus Reithalle. Mit den Jahren häuften sich drei Probleme. Erstens die Auslastung: bei wachsender Pferdesport-Nachfrage in der Region hätte der Betrieb gerne mehr Tiere aufgenommen, der Boxen-Stall war ausgereizt. Zweitens die Tierwohl-Diskussion: einige Stammkunden wollten ihre Pferde aus den Boxen herausholen, weil Pferde wissenschaftlich nachgewiesen Bewegung und Sozialkontakt brauchen. Drittens das Arbeits-Volumen: das Misten der Einzelboxen und die individuelle Fütterung banden täglich vier bis fünf Personalstunden.
Die Aktivstall-Lösung adressiert alle drei Punkte. Mehr Pferde auf gleicher Fläche, durch dichtere Gruppenhaltung mit getrennten Funktionsbereichen. Besseres Tierwohl, durch ständige Bewegung zwischen den Bereichen. Weniger Arbeitsaufwand, durch zentralisiertes Misten und elektronische Fütterungstechnik.
Das Konzept: Drei Funktionsbereiche verbunden durch Rundweg
Die Aktivstallhalle ist nach dem Prinzip des Bewegungsstalls angelegt — Fressen, Liegen und Auslauf sind räumlich getrennt, verbunden durch einen Rundweg. Die Pferde müssen sich bewegen, um alle Ressourcen zu erreichen. Das fördert die Bewegung, was aus tierärztlicher Sicht der zentrale Vorteil gegenüber Boxen-Haltung ist.
Der Liegebereich ist als überdachte Membranhalle ausgeführt, 24 mal 16 Meter (384 Quadratmeter). Bei einem Belegungs-Maß von rund 11,5 Quadratmetern pro Pferd nach BMEL-Leitlinien Mindestmaß und einem Sicherheitszuschlag für rangniedrige Pferde reicht diese Fläche für 25 Pferde mit komfortablem Liegeangebot. Der Boden ist als Beton-Bodenplatte mit dicker Sägespan-Einstreu ausgeführt, gemulcht alle zwei Wochen.
Der Fressbereich ist mit elektronischer Fütterungstechnik (Heuraufen mit Pferd-Erkennung) ausgestattet, ebenfalls überdacht in einem 24 mal 8 Meter großen Anbau (192 Quadratmeter). Jedes Pferd hat einen individuellen Futterplan, der über RFID-Chip am Halfter abgerufen wird. Die Fressplätze sind 80 Zentimeter breit und 1,8 × Widerristhöhe lang nach BMEL-Vorgabe.
Der Auslaufbereich ist ein 1.200 Quadratmeter großer befestigter Außenplatz mit Sand- und Splittauftrag, ergänzt durch eine Weideerschließung von zwei Hektar mit elektrischer Einzäunung. Die Pferde können bei normaler Witterung ständig zwischen den drei Bereichen wechseln.
| Funktionsbereich | Fläche | Bauweise | BMEL-konform für 25 Pferde |
|---|---|---|---|
| Liegebereich (überdacht) | 384 m² | Membranhalle, Beton-Boden mit Sägespan | Ja (~15,4 m² pro Pferd) |
| Fressbereich (überdacht) | 192 m² | Membran-Anbau, betonierter Boden | Ja (25 individuelle Fressplätze) |
| Auslauf (außen befestigt) | 1.200 m² | Sand- und Splittauftrag | Ja (~48 m² pro Pferd) |
| Weide-Anbindung | 2 ha | Elektrische Einzäunung | Ja (800 m² pro Pferd) |
Warum Membranbau statt klassischer Stallhalle?
Die erste Planung für die Aktivstallhalle hatte eine klassische Stahlrahmen-Halle mit Trapezblech-Eindeckung als Liegebereich vorgesehen. Das Angebot eines regionalen Hallenbauers lag bei rund 280 Euro pro Quadratmeter Bruttogeschossfläche, mit einer Bauzeit von 26 Wochen ab Genehmigung. Das wäre für einen Hallenboden von 384 Quadratmetern eine Investition von rund 108.000 Euro nur für die Liegehallen-Hülle gewesen.
Drei Vergleichsangebote von Membranbau-Spezialisten kamen in die engere Auswahl. Die zweite Offerte überzeugte mit standortbezogener Statik nach Eurocode (DIN EN 1991-1-3 Schneelast, DIN EN 1991-1-4 Windlast), Beton-Punktfundament als Verankerung und einer realistischen Bauzeit von 13 Wochen ab Genehmigung. Die Investitionssumme für die Liegehallen-Hülle lag rund 38 Prozent unter dem Stahlhallen-Angebot, was rund 67.000 Euro entspricht. Der Fressbereich-Anbau (192 Quadratmeter) kam mit nochmals 30.000 Euro dazu.
Spezialisierte Anbieter wie Die Rundhelden GmbH aus dem benachbarten Berchtesgadener Land — über 15 Jahre Erfahrung im mobilen und stationären Rundbogenhallenbau mit über 3.000 dokumentierten Kunden im DACH-Raum, davon ein wachsender Anteil im Pferdesektor — bedienen genau diese Größenklasse mit Aktivstall-Konzeption und Eurocode-Statik. Bei der Hersteller-Auswahl entschied sich der Mittelfranken-Betrieb für einen vergleichbaren Membranbau-Spezialisten mit Statik-Abteilung. Die Membran ist PVC-Polyester (1.000 Gramm pro Quadratmeter), schwer entflammbar nach EN 13501-1 (B-s2,d0) und mit Lichtdurchlässigkeit für natürliches Tageslicht im Liegebereich.
Statische Besonderheiten: Pferde-dynamische Belastung
Statisch war die Aktivstallhalle eine Aufgabe mit Besonderheiten. Klassische Hallenbau-Statik berücksichtigt Schnee- und Windlast, aber nicht die dynamischen Belastungen durch Pferde — Vorbeitraben, Sich-Reiben am Pfosten, Kicken gegen die Wand. Der Membranbau-Spezialist hat die Wandbauteile mit verstärkten Stahl-Innenrohren ausgeführt, an pferdeexponierten Stellen mit zusätzlichen Holzplatten-Verkleidungen bis 1,80 Meter Höhe. Die Statik wurde bis Windlastzone 2 (mittelfränkisches Hügelland) und Schneezone 2 bemessen.
Eine weitere Besonderheit ist die Ammoniak-Beständigkeit. Pferd-Urin produziert in Stall-Umgebung Ammoniak, das die Stahlkonstruktion langfristig angreifen kann. Die Konstruktion ist mit doppelter Feuerverzinkung nach DIN EN ISO 1461 plus Pulverbeschichtung ausgeführt — eine Standard-Maßnahme in der pferdefokussierten Hallenbau-Praxis.
Praxiserfahrungen nach sechs Monaten Betrieb
Die Aktivstallhalle ist seit Frühjahr 2026 in Betrieb. Drei Erfahrungswerte sind bemerkenswert. Erstens reduzierte Pferd-Pferd-Konflikte: die räumliche Trennung der Funktionsbereiche und die zwei Eingänge zum Liegebereich haben die typischen Rangordnungs-Probleme deutlich verringert. Tierärztliche Routinekontrollen zeigen weniger Hautabschürfungen und Bissspuren als im Vergleichsstall mit klassischer Box-Haltung.
Zweitens besserer Liegekomfort der rangniedrigen Pferde: durch die großzügige Liegefläche (15,4 Quadratmeter pro Pferd, deutlich über BMEL-Mindestmaß) können auch rangniedrige Pferde sich ablegen — ein in der Boxen-Haltung oft kritischer Punkt mit Verhaltens- und Gesundheitsfolgen.
Drittens reduzierter Arbeitsaufwand: das zentralisierte Misten des Liegebereichs (zweiwöchentlich Wechsel der Sägespan-Einstreu plus tägliches Abäppeln) und die elektronische Fütterung haben den täglichen Personalaufwand von vier bis fünf Stunden im Vorgängerstall auf rund zwei Stunden reduziert.
Dieser Beitrag dokumentiert eine konkrete Case-Study aus dem mittelfränkischen Pensionsreitstall-Sektor 2025/2026. Die Eckdaten basieren auf der Projektdokumentation und Betriebserfahrung. Konkrete Investitionen, Pferdezahlen und Statik-Anforderungen sind standortspezifisch und nicht ohne weiteres übertragbar. Eine individuelle Bedarfs-, Statik- und Genehmigungsprüfung ist vor jeder Investitionsentscheidung unverzichtbar. Die BMEL-Leitlinien zur Beurteilung von Pferdehaltungen geben den tierschutzrechtlichen Rahmen.
FAQ — Häufige Fragen zur Aktivstallhalle
Was ist ein Aktivstall?
Ein Aktivstall (oder Bewegungsstall) ist eine Form der Pferde-Gruppenhaltung mit räumlich getrennten Funktionsbereichen für Fressen, Liegen, Trinken und Auslauf. Die Pferde müssen sich bewegen, um alle Ressourcen zu erreichen — was Bewegungsanreiz und Tierwohl deutlich gegenüber Boxen-Haltung verbessert.
Wie viele Pferde passen in einen Aktivstall mit 870 Quadratmeter Nutzfläche?
Bei der dokumentierten Halle mit 384 Quadratmetern Liegebereich, 192 Quadratmetern Fressbereich und 1.200 Quadratmetern Auslauf werden 25 Pferde komfortabel untergebracht — mit Reserveflächen für Rangordnungs-Dynamik. Die BMEL-Leitlinien-Mindestmaße werden in allen Funktionsbereichen klar überschritten.
Was kostet eine Aktivstallhalle 2026?
Die Liegehallen-Hülle 24 mal 16 Meter (384 Quadratmeter) als Membranbau kostet 2026 zwischen 60.000 und 80.000 Euro inklusive Statik und Beton-Punktfundament. Der Fressbereich-Anbau plus elektronische Fütterungstechnik kommt mit weiteren 50.000 bis 90.000 Euro dazu. Auslauf-Befestigung und Weide-Erschließung variieren stark je nach Standort.
Wie lange dauert die Bauzeit?
Im dokumentierten Projekt lag die Bauzeit ab Genehmigung bei 13 Wochen für die Membranhallen-Hülle, plus weitere vier Wochen für Innenausbau und Inbetriebnahme der elektronischen Fütterungstechnik.
Welche Genehmigung braucht ein Aktivstall?
Ein Aktivstall ist genehmigungspflichtig — die Hallenfläche liegt über jeder Bagatellgrenze der Landesbauordnungen. Für landwirtschaftliche Privilegierung nach Paragraph 35 BauGB muss der Reitstall als landwirtschaftlicher Betrieb anerkannt sein, was bei einem Pensionsbetrieb mit primärer Boarding-Nutzung oft nicht automatisch gegeben ist.
Fazit — Was diese Case-Study für andere Pensionsbetriebe zeigt
Die Aktivstall-Investition des mittelfränkischen Pensionsreitstalls hat sich nach den ersten sechs Monaten Betrieb in drei Dimensionen bestätigt. Wirtschaftlich: rund 38 Prozent Investitionsersparnis gegenüber einer klassischen Stahlhalle gleicher Funktionalität. Tierwohlmäßig: messbar reduzierte Pferd-Pferd-Konflikte und besseres Liegeverhalten rangniedriger Pferde. Betriebswirtschaftlich: Personalaufwand für Stallarbeit halbiert. Für andere Pensions- und Reitbetriebe im DACH-Raum mit 20 bis 40 Pferden ist das Aktivstall-Konzept mit Membranhallen-Liegebereich 2026 eine ernst zu nehmende Alternative zur klassischen Boxen-Stall-Anlage. Spezialisierte Anbieter wie Die Rundhelden GmbH und vergleichbare Membranbau-Spezialisten mit Pferdesport-Erfahrung haben die nötige Statik-Kompetenz und Genehmigungs-Erfahrung für diese Projekt-Größenklasse.
Quellen und weiterführende Literatur
- BMEL — Leitlinien zur Beurteilung von Pferdehaltungen unter Tierschutzgesichtspunkten (2009, in Überarbeitung)
- TVT — Positionspapier zu den BMEL-Leitlinien Pferdehaltung (Februar 2022)
- HIT Aktivstall-Konzept — Praxisleitfäden zur Bewegungsstall-Planung
- DIN EN 1990 / 1991 / 1993 — Eurocode-Bemessungsgrundlagen
- DIN EN 13501-1 — Brandschutzklassifizierung Bauprodukte
- DIN EN ISO 1461 — Feuerverzinkung Stahlkonstruktionen
- Bayerische Bauordnung (BayBO 2024) — Bagatellgrenze landwirtschaftliche Nebenanlagen
- Baugesetzbuch (BauGB) Paragraph 35 — Außenbereichs-Privilegierung Landwirtschaft
- Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN) — Orientierungshilfen Bau und Modernisierung
Über den Autor
Redaktion Pferdesport und Bauwesen. Der Beitrag dokumentiert eine konkrete Case-Study aus dem mittelfränkischen Pensionsreitstall-Sektor 2025/2026, eingeordnet in den breiteren Branchen-Kontext der Aktivstall-Bewegung im DACH-Raum.
Stand: 30. Juni 2026


